
Laut dem Kontrollarzt des CMSS vom 13.05.2026 bin ich seit dem 12.06.2026 wieder arbeitsfähig.
So steht es zumindest auf dem Papier.
Und vielleicht wäre alles einfacher, wenn ich selbst genau wüsste, was richtig ist.
Denn ja:
Es geht mir besser.
Viel besser sogar als noch vor einem Jahr.
Und trotzdem sitze ich heute hier und weiß:
Es geht noch nicht.
Ein unauffälliger Test
Am 18.06.2026 musste ich erneut zum Kontrollarzt der CMSS.
Wieder ein anderer Arzt.
Eigentlich sitzt mir dort jedes Mal jemand Neues gegenüber.
Und jedes Mal beginne ich wieder von vorne.
Meine Geschichte.
Meine Erschöpfung.
Meine Belastungsgrenzen.
Meine Crashs.
Bei diesem Termin wurde ich darauf hingewiesen, dass meine neurologischen beziehungsweise neuropsychologischen Tests unauffällig gewesen seien.
Teilweise sogar auffällig gut.
Meine Antwort darauf war:
„Ja. Ich bin ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Ich bin erschöpft.“
Denn während dieser Tests ging es mir zunehmend schlechter.
Mir wurde kotzübel.
Mir wurde schwindelig.
Ich begann immer stärker zu zittern.
Ich habe das während des Tests auch gesagt.
Irgendwann sagte selbst der Tester sinngemäß:
„Jetzt noch einen Test, dann haben Sie es überstanden.“
Was offenbar nirgendwo auftauchte, war das, was danach passierte.
Dass ich nur mit Mühe nach Hause kam.
Dass ich anschließend drei Tage richtig flachlag.
Dass mein gesamtes System durch diese Belastung völlig überfordert war.
In der Medizin nennt man das PEM (Post-Exzessionelle Malaise): Die Quittung für eine Leistung, die das Gehirn zwar noch abrufen kann, für die der Körper aber Tage später ohne zelluläre Energie völlig zusammenbricht.
Der Test zeigte:
Ich kann denken.
Ja.
Das kann ich.
Was er nicht zeigte:
Was es meinen Körper kostet, diese Leistung abzurufen.
Zwei Monate später
Ich fragte die Ärztin damals, wann ich mit einem Ergebnis rechnen könne.
„Ein bis zwei Wochen“, sagte sie.
Heute ist der 18. August.
Der Termin war am 18. Juni.
Seitdem warte ich.
Und seitdem bekomme ich kein Geld.
Durch die Entscheidung der CNS bekomme ich derzeit kein Krankengeld mehr. Gleichzeitig wurde mir nach meinen bisherigen Auskünften auch der Zugang zu anderen Ersatzleistungen versperrt, solange dieses Verfahren läuft.
Ich habe sogar in Deutschland nach Möglichkeiten gefragt.
Negativ.
Die Antwort ist im Grunde immer dieselbe:
Dann gehen Sie arbeiten. Dann verdienen Sie wieder Geld.
Und ich denke:
Würde ich mich wirklich krankschreiben lassen, wenn ich arbeiten gehen könnte?
Und genau da beginnt mein eigener Zweifel
Denn natürlich denke ich darüber nach.
Fast jeden Tag.
Ich stehe noch in einem Arbeitsverhältnis.
Ich könnte zurückgehen.
Und von einem Moment auf den anderen wäre zumindest ein großer Teil meiner finanziellen Sorgen gelöst.
Also sitzt da immer wieder diese Stimme in mir:
Vielleicht kannst du doch wieder arbeiten.
Vielleicht bildest du dir nur ein, noch krank zu sein.
Vielleicht musst du es einfach versuchen.
Vielleicht geht es inzwischen doch.
Und dann kommen diese Tage.
Mehrere Termine hintereinander.
Die Kinder.
Organisation.
Zwei oder drei Tage etwas mehr Belastung.
Dann gehen die Kinder wieder zu ihrem Vater.
Und ich breche zusammen.
Dann weiß ich wieder:
Nein. Ich bilde es mir nicht ein.
Es geht einfach noch nicht.
Ich weiß selbst nicht genau, warum.
Und ich weiß vor allem nicht, wie lange es noch dauern wird.
Aber du gehst doch schwimmen?
Ja.
Und darüber bin ich unglaublich glücklich.
Als unser Freibad dieses Jahr öffnete, bin ich zunächst nur mitgegangen.
Im Jahr davor hatte mein Körper dort so stark reagiert, dass ich mich dieses Mal nicht einmal ins Wasser getraut habe.
Ende Juli waren wir dann in einem anderen Freibad in Luxemburg.
Ich sprach vorher mit dem Bademeister über die Chlorwerte. Er erklärte mir, dass sie dort niedriger seien als die Werte, die ich aus Deutschland kannte.
Also habe ich es versucht.
Ich ging ins Wasser.
Und schwamm zwei Bahnen.
Nicht mehr.
Mehr habe ich mich nicht getraut.
Ich wartete innerlich eigentlich schon darauf, dass mein Körper wieder reagiert.
Aber:
Es passierte nichts.
Kein Crash.
Kein sofortiges Krankheitsgefühl.
Nichts.
In der Woche danach schwamm ich vier Bahnen.
Wieder ging es gut.
Und etwas daran füllte mich plötzlich mit Kraft.
Seitdem gehe ich regelmäßig schwimmen.
Das ist jetzt ungefähr vier Wochen her.
Und ich kann tatsächlich wieder schwimmen.
Ohne Panik.
Ohne Crash.
Ohne danach sofort krank zu werden.
Ich kann kaum beschreiben, wie glücklich mich das macht.
Und meine Kinder freuen sich unglaublich für mich.
Denn sie kennen die andere Seite
Letztes Jahr waren wir bei einer Mutter-Kind-Kur am Bostalsee.
Und ich war nicht einmal in der Lage, die Freizeit dort mit meinen Kindern wirklich zu genießen.
See?
Freibad?
Es ging nicht.
Teilweise habe ich mir für die Wochenenden Betreuung organisiert, weil selbst die gemeinsame Zeit mit den Kindern in dieser Situation schon zu viel für mein System war.
Und heute?
Heute kann ich wieder mit ihnen ins Schwimmbad.
Ich kann schwimmen.
Ich kann dort sitzen.
Ich kann Sonne auf meiner Haut haben.
Ich kann ein Stück normales Leben zurückbekommen.
Aber all das geht nur unter extrem strengem, diszipliniertem Pacing – also dem exakten Einteilen der Kräfte in winzige Portionen.
Natürlich bin ich glücklich darüber.
Ich möchte mir diese Freude auch nicht nehmen lassen.
Und von außen?
Von außen sieht man vielleicht:
Schaut mal.
Die ist braun gebrannt.
Die geht ständig ins Schwimmbad.
So schlecht kann es ihr doch gar nicht gehen.
Und genau hier sind wir wieder bei dem Thema, über das ich seit Monaten schreibe:
Was sieht man eigentlich von außen?
Und was sieht man nicht?
Ich schaffe mittlerweile den Alltag mit meinen Kindern relativ stabil.
Das ist ein riesiger Fortschritt.
Wenn sie nicht bei mir sind, schaffe ich inzwischen sogar wieder kleine Aktivitäten.
Zum Beispiel schwimmen.
Was ich weiterhin kaum schaffe, ist mein Haushalt.
Ich schaffe es kaum, Besuch zu empfangen.
Soziale Veranstaltungen sind schnell zu viel.
Mehrere Termine an mehreren Tagen hintereinander können weiterhin dazu führen, dass mein Körper anschließend komplett herunterfährt.
Dann kommt die Erschöpfung.
Das Krankheitsgefühl.
Ohrenschmerzen.
Halsschmerzen.
Manchmal eine Müdigkeit, bei der ich das Gefühl habe, im Sitzen, Stehen oder Gehen einschlafen zu können.
Dann schlafe ich tatsächlich teilweise sofort tief ein.
Eine Stunde später wache ich wieder auf – und fühle mich noch Tage danach wie verkatert.
Ohne Alkohol.
Ohne Party.
Einfach nur von Belastung.
Und ja – ich habe ein Buch geschrieben
Eigentlich sogar drei.
Mein erstes Buch liegt mir besonders am Herzen:
„Herzvogel – Wenn Mama ganz leise wird.“
Ein Kinderbuch über chronische Erschöpfung in Familien.
In einer Woche werde ich dazu einen Abend in der Bücherei von zwei Freundinnen veranstalten.
Und auch hier könnte man von außen wieder sehen:
Schaut mal.
Sie schreibt Bücher.
Sie macht eine Buchvorstellung.
Sie organisiert Veranstaltungen.
Ja.
Das tue ich.
Aber auch hier sieht niemand die Konstruktion dahinter.
Der Abend ist bewusst so gelegt, dass ich vorher und nachher genügend Zeit habe, um mich auszuruhen.
Selbst die Werbung dafür hat mich Kraft gekostet.
Ich habe es erst eine Woche vorher geschafft, überhaupt richtig damit anzufangen.
Nicht weil mir das Buch egal ist.
Im Gegenteil.
Es liegt mir unglaublich am Herzen.
Sondern weil selbst solche Dinge Energie benötigen, die mein Körper nicht immer zur Verfügung hat.
Die Buchvorstellung findet am 25. August um 19 Uhr in der Pfarrbücherei Nusbaum statt.
Dieser Abend ist ein vorsichtiger, zeitlich streng begrenzter Therapieversuch von nur einer Stunde – ein Termin, für den ich Tage vorher und nachher absolute Ruhe einplanen muss, um ihn überhaupt zu schaffen.
Und vielleicht passt es, dass ausgerechnet dort über ein Buch gesprochen wird, das von etwas handelt, das man von außen nicht sehen kann.
Währenddessen kommt die Post
Und während ich versuche, mein Leben langsam wieder aufzubauen, läuft im Hintergrund etwas vollkommen anderes.
Behördenbriefe.
Rückfragen.
Versicherungen.
Weitere Schreiben aus Deutschland.
Weitere Schreiben aus Luxemburg.
Manchmal sitze ich vor einem neuen Brief und denke nur noch:
Ihr seht meine Fassade, meine Stärke und meine Worte. Aber ihr weigert euch, die Erschöpfung dahinter anzuerkennen. Ihr wollt mich brechen, indem ihr mir die Existenz entzieht. Doch ihr unterschätzt die Kraft, die entsteht, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Mein Herzvogel fliegt weiter. Jetzt erst recht. Und ich gehe meinen Weg in die Freiheit – unabhängig von euren Stempeln und Aktenzeichen.
Und ich schwebe
Das ist vielleicht momentan das Schlimmste.
Nicht einmal zu wissen, wie es weitergeht.
Denn vieles hängt an einer einzigen Entscheidung.
Der Entscheidung der CNS über meinen Widerspruch.
Erst danach weiß ich, welche weiteren Wege ich überhaupt gehen kann.
Bis dahin schwebe ich.
Ich kann nichts abschließen.
Ich kann kaum planen.
Ich habe nichts in der Hand.
Und in meinem Kopf laufen sämtliche Varianten gleichzeitig.
Worst Case.
Best Case.
Und alles dazwischen.
Wie soll es weitergehen?
Wie kann es weitergehen?
Wie wird es weitergehen?
Diese Unsicherheit frisst mich momentan tatsächlich auf.
Innerlich.
Äußerlich versuche ich, ruhig zu bleiben.
Besonders vor meinen Kindern.
Sie sollen diese Sorgen nicht tragen.
Wenn sie bei ihrem Vater sind, sieht es manchmal anders aus.
Dann gibt es Tage, an denen diese ganze Unsicherheit durchbricht.
Vielleicht auch gerade deshalb, weil ich sie vorher zusammenhalte.
Und dann tue ich etwas, das mir momentan hilft:
Ich schreibe.
Ich schreibe Geschichten.
Ich schreibe Bücher.
Ich habe inzwischen noch zwei weitere Herzvogel-Bücher geschrieben, weil mir diese Geschichten wirklich am Herzen liegen.
Aber dazu ein anderes Mal mehr.
Ja, mir geht es besser
Vielleicht ist das der wichtigste Satz dieses ganzen Eintrags.
Mir geht es besser.
Und ich bin unglaublich dankbar dafür.
Ich kann wieder mit meinen Kindern ins Schwimmbad.
Ich kann wieder schwimmen.
Ich kann meinen Alltag mit ihnen inzwischen weitgehend bewältigen.
Ich kann schreiben.
Ich kann wieder kleine Stücke meines Lebens genießen.
Vor einem Jahr war vieles davon undenkbar.
Aber:
Besser bedeutet nicht gesund.
Aktivität bedeutet nicht Belastbarkeit.
Ein schöner Nachmittag bedeutet nicht Arbeitsfähigkeit.
Zwei Bahnen im Schwimmbad sind kein Acht-Stunden-Arbeitstag.
Und ein Mensch kann braun gebrannt am Beckenrand sitzen und trotzdem krank sein.
Vielleicht ist genau das so schwer zu verstehen.
Ich selbst zweifle schließlich manchmal daran.
Bis mein Körper mir wieder sehr deutlich zeigt, wo seine Grenze liegt.
Ich weiß nicht, wie lange dieser Weg noch dauert.
Ich weiß nicht, wann die Entscheidung kommt.
Ich weiß nicht, wann ich wieder arbeiten kann.
Und ich weiß gerade auch nicht, wie sich die nächsten Monate entwickeln werden.
Das ist nicht leicht.
Aber – was ist schon leicht?
Im Moment versuche ich weiter das zu tun, was ich seit Monaten lerne:
Den nächsten Schritt zu gehen.
Mich über das zu freuen, was wieder möglich ist.
Und gleichzeitig das ernst zu nehmen, was noch nicht geht.
Beides darf wahr sein.

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