Wenig bis mäßige Veränderungen – aber trotzdem wieder viel Bewegung

Es sind Wochen vergangen. Vielleicht sogar Monate.
Seit ich das letzte Mal wirklich darüber geschrieben habe, wie es mir geht.

In dieser Zeit war viel los.
Und gleichzeitig auch nichts.

Es hat sich etwas bewegt.
Und doch stand ich oft einfach nur da.

Still.


Wenn ich zurückblicke, merke ich:
Da waren Themen, die mich zusätzlich sehr viel Kraft gekostet haben.

Zwei persönliche Themen.
Zwei Dinge, die mein Herz wirklich belastet haben.

Es hat sich gezogen.
Von Oktober bis jetzt.

Und jetzt… ist da zum ersten Mal etwas wie Erleichterung.

Nicht komplett.
Aber spürbar.

Fast wie nach einer Geburt.
So fühlt es sich an.


Und während innerlich so viel passiert ist,
lief im Außen alles weiter.

Termine.
Kontrollen.
Gespräche.

Ich hatte einen Termin beim Kontrollarzt.
30 Minuten.

Und trotzdem hat es mich komplett aus dem System geworfen.

Nicht nur an dem Tag.
Sondern noch zwei Tage danach.

Ich habe mich dort nicht gesehen gefühlt.
Eher geprüft.
Als müsste ich beweisen, dass das alles wirklich ist.

Und genau das ist so schwer.

Diese Termine dauern kurz.
Aber was danach kommt, sieht niemand.


Ein Termin ist mir besonders hängen geblieben.

Ein neuronaler Test.
Eine Stunde.

Merkfähigkeit.
Reaktionsfähigkeit.
Aufgaben.

Am Anfang ging es noch.
Dann wurde mir übel.

Mein Hals wurde eng.
Ich habe gemerkt: es ist zu viel.

Ich habe es gesagt.
Mehrmals.

Und irgendwann wusste ich:
noch eine Aufgabe – und ich breche hier zusammen.


Danach war ich eine Woche raus.

Eine Woche, in der mein System einfach nicht mehr konnte.

Und das ist der Punkt, der so schwer zu erklären ist:

Nicht der Termin.
Sondern das, was danach passiert.

Ich saß danach im Auto und habe geweint.
Nicht, weil ich genau wusste warum.

Sondern weil etwas raus musste.


Und gleichzeitig gibt es auch Dinge, die mir gerade helfen.

Ich habe im März mit einer Infusionstherapie begonnen.
Vitamin C.

Ganz langsam merke ich, dass sich etwas stabilisiert.

Keine Wunder.
Keine großen Sprünge.

Aber kleine Veränderungen.

Und manchmal sind genau die entscheidend.


Ich bin außerdem auf eine Reha-Klinik aufmerksam geworden.
Für Long Covid.

Ende des Monats habe ich dort meinen ersten Termin.

Ich weiß noch nicht, was genau auf mich zukommt.
Aber ich habe das Gefühl, dass es ein Schritt ist.

Und gerade zählen Schritte.

Keine großen Lösungen.
Nur Schritte.


Und wie geht es mir wirklich?

Ich bin immer noch erschöpft.

Sehr.

Aber ich merke auch:

Ich kann wieder kleine Dinge.

Ich kann mit meinen Kindern zwei Kilometer wandern.
Langsam.
Mit Pausen.

Aber ich kann es.

Wir waren Fahrrad fahren.
Ich mit E-Bike.

Anders geht es gerade nicht.

Und das ist okay.


Gleichzeitig merke ich jeden Tag, wie wenig mein System aushält.

Zu viel Haushalt – Crash.
Zu viel lesen – Crash.
Zu viel „ruhige“ Dinge – auch Crash.

Das ist etwas, das viele nicht verstehen:

Dass selbst stille Dinge zu viel sein können.


Pacing ist mein Alltag geworden.

Und es ist anstrengend.

Nicht körperlich allein.
Sondern mental.

Dieses ständige Beobachten.
Dieses rechtzeitige Stoppen.

Dieses „ich würde gern noch…“
und dann doch aufhören müssen.


Und ja, ich zweifle auch.

Ich habe versucht, meine Steuererklärung zu machen.
Mein Beruf.

Nach 15 Minuten: Ende.

Das ist schwer auszuhalten.

Weil der Kopf weiß, was mal ging.
Und der Körper etwas ganz anderes sagt.


Wenn ich die Kinder habe, reicht das oft schon.

Mehr geht nicht.

Keine zusätzlichen Treffen.
Keine große Aktivität.

Nicht, weil ich nicht will.

Sondern weil mein System dann voll ist.


Und trotzdem…

Wenn ich ehrlich bin:

Ich war diese Ferien stabiler als noch vor ein paar Monaten.

Im Winter war ich ständig krank.
Grippe.
Allergieschock.
Rückzug.

Immer dann, wenn ich dachte:
jetzt geht vielleicht wieder mehr…

kam der nächste Crash.


Jetzt fühlt es sich anders an.

Nicht gut.
Nicht leicht.

Aber…

als würde ich ganz langsam wieder auftauchen.

Aus einem Loch.

Ganz vorsichtig.


Ich bin noch nicht da.
Aber ich bin auch nicht mehr ganz dort, wo ich war.

Und gerade reicht das.


Ein Schritt.

Und dann der nächste.

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