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Warum ich andere Schritte gehen muss als viele andere

Es gibt Dinge im Leben, die man erst bemerkt, wenn sie fehlen.

Für mich war eines davon Ur-Sicherheit.

Ein Wort, das man kaum hört. Und doch beschreibt es etwas sehr Grundlegendes:
das tiefe, körperliche Gefühl von „Ich bin sicher. Ich darf da sein. Ich werde getragen.“

Viele Menschen wachsen damit auf, ohne es zu wissen.
Für sie ist es selbstverständlich. Für mich war es das nicht.


Was ich lange nicht verstanden habe

Lange habe ich mich gefragt, warum Dinge, die für andere funktionieren, bei mir nicht greifen.

Warum ich mich nicht „einfach“ erholen kann.
Warum Pausen mich nicht automatisch regenerieren.
Warum Kuren, Programme, Klinikaufenthalte oder gut gemeinte Ratschläge mich eher überfordern als stabilisieren.

Von außen sah mein Leben lange stabil aus:

  • Leistungssport
  • Studium
  • Beruf
  • Verantwortung
  • Familie

Von innen war ich fast immer im Halten.
Im Durchhalten.
Im Funktionieren.

Was ich nicht wusste:
Man kann all das tun – und trotzdem keine Ur-Sicherheit im Körper haben.


Was Ur-Sicherheit eigentlich ist (und was nicht)

Ur-Sicherheit ist kein mentales Konzept.
Keine Haltung.
Kein „positives Denken“.

Sie ist körperlich.

Sie zeigt sich darin, dass:

  • der Körper entspannen darf, ohne sofort in Alarm zu gehen
  • Bedürfnisse auftauchen dürfen, ohne Scham
  • Nähe nicht automatisch Überforderung bedeutet
  • Essen, Ruhe, Stillstand nicht bedrohlich sind

Menschen mit Ur-Sicherheit können:

  • sich überfordern und danach regenerieren
  • Fehler machen und sich wieder sammeln
  • Krisen erleben und zurück in die Balance finden

Nicht, weil sie stärker sind –
sondern weil ihr Nervensystem einen sicheren Grundton kennt.


Wenn diese Sicherheit fehlt

Wenn Ur-Sicherheit fehlt, passiert etwas anderes:

Der Körper bleibt wachsam.
Immer ein Stück angespannt.
Immer bereit zu reagieren.

Dann werden Dinge zu Kompensationen:

  • Leistung
  • Kontrolle
  • Essen
  • Rückzug
  • Anpassung

Nicht aus Schwäche –
sondern aus Überlebensintelligenz.

Und dann funktionieren oft genau die Ansätze nicht, die für andere hilfreich sind:

  • radikale Veränderungen
  • intensive Programme
  • „einfach mal durchziehen“
  • schnelle Lösungen

Was fehlt, ist nicht Disziplin.
Was fehlt, ist Grundsicherheit.


Warum ich andere Schritte gehen muss

Ich habe lange versucht, meinen Körper „zu verbessern“.
Heute verstehe ich:
Ich muss ihn erst einmal stabilisieren.

Das bedeutet für mich:

  • Einfachheit statt Vielfalt
  • Rhythmus statt Optimierung
  • Monotonie statt Reiz
  • Vorhersagbarkeit statt Überraschung
  • Wärme, Nahrung, Ruhe – regelmäßig

Nicht, weil ich das für immer so machen möchte.
Sondern weil mein Körper erst lernen muss:

„Ich bin sicher. Es kommt genug. Ich werde nicht wieder übergangen.“

Erst dann kann Aufbau beginnen.


Warum das für andere oft schwer nachvollziehbar ist

Viele Menschen kennen Ur-Sicherheit.
Sie mussten sie nie bewusst herstellen.

Deshalb wirken meine Schritte für sie oft:

  • übervorsichtig
  • langsam
  • überfokussiert
  • „zu sehr mit mir selbst beschäftigt“

Aber das ist nur der Blick von außen.

Von innen fühlt es sich an wie:

Nach Hause kommen – zum ersten Mal.


Ich gehe meinen Weg – nicht gegen andere, sondern für mich

Ich weiß heute:
Ich muss meinen Weg nicht rechtfertigen.
Ich muss ihn nicht erklären.
Ich muss ihn nur gehen.

Andere dürfen anders leben.
Andere dürfen schneller sein.
Andere dürfen andere Lösungen haben.

Ich gehe die Schritte, die mein Körper jetzt braucht.

Nicht aus Angst.
Nicht aus Rückzug.
Sondern aus Selbstverantwortung.


Vielleicht erkennst du dich hier wieder

Vielleicht liest du das und denkst:

„Das kenne ich.“

Dann möchte ich dir eines sagen:
Du bist nicht kaputt.
Du bist nicht undiszipliniert.
Du bist nicht „zu sensibel“.

Vielleicht fehlt deinem System etwas, das andere nie vermisst haben.

Und vielleicht darfst auch du dir erlauben,
andere Schritte zu gehen.

Langsamer.
Einfacher.
Wahrer.


Ur-Sicherheit lässt sich nicht erzwingen.
Aber sie lässt sich wiederfinden.

Schritt für Schritt.

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