wie ich beides gleichzeitig lebe

Neben meinem inneren Prozess — der gerade unglaublich viel Raum einnimmt — lebe ich natürlich auch noch mein ganz normales Alltagsleben.
Oder besser gesagt: Ich bewege mich täglich zwischen zwei Welten.

Auf der einen Seite bin ich Mutter, mit all den organisatorischen und emotionalen Aufgaben, die dazugehören:
Schule, Absprachen mit meinem Ex-Mann, Pläne der Kinder, kleine Krisen, große Gefühle.
Das Leben hört ja nicht auf, nur weil die Seele sich gerade neu sortiert.

Auf der anderen Seite stehe ich mitten in einem Bürokratie-Marathon, der für Außenstehende völlig unsichtbar ist.

Ich habe:

  • eine Invaliditätsrente in Luxemburg beantragt
  • eine Berufsunfähigkeitsrente in Deutschland in der Beantragung
  • unzählige Formulare auszufüllen
  • Unterlagen bei Ärzten, Therapeuten und Behörden anzufordern
  • Gespräche mit Versicherungsvertretern zu führen
  • eigene Selbstauskünfte und Erklärungen zu verfassen

Und das alles, während mein Nervensystem ohnehin schon im tiefen Umbau steht.

Man sieht von außen vielleicht nur:
„Sie hat ja heute nur einen Termin.“

Was man nicht sieht, ist:
Dieser eine Termin fühlt sich an wie ein Marathonlauf.

Ich war jahrelang Mittelstreckenläuferin — ich weiß, wovon ich spreche. Mein Körper kennt Anstrengung. Aber diese Erschöpfung ist eine andere. Sie kommt aus dem Nervensystem, nicht aus den Muskeln.

Ein einstündiges Gespräch mit einem Vertreter, einer Behörde oder einer Therapeutin bedeutet für mich:

  • völlige Fokussierung
  • extreme emotionale Belastung
  • dauerhaften Stress im System
  • einen Energieabfall, der mich 2–3 Stunden später komplett lahmlegt

Wenn so ein Termin ansteht, kann es keinen zweiten Termin an diesem Tag geben.
Dann ist mein „Tagesbudget“ verbraucht.

Und dazu kommen all die kleinen Dinge:

  • Wann kann ich einkaufen?
  • Wann halte ich sozialen Kontakt aus?
  • Wann lade ich Besuch ein?
  • Wann kann ich Plätzchen backen — oder besser gesagt: wann nicht?

Plätzchen backen mit den Kindern geht z. B. nur dann, wenn sonst GAR NICHTS ansteht.
Sonst wäre es schlicht zu viel.

Besuch ist selten.
Nicht aus Desinteresse, sondern weil die Energie woanders gebraucht wird:
innen, im Körper, in der Heilung, in den Prozessen, die mich gerade komplett transformieren.

Und genau deswegen ist es für mich völlig in Ordnung, dass mein Leben gerade so aussieht.
Ich weiß, wo ich stehe.
Ich weiß, was mein Körper kann und was nicht.
Ich weiß, was Priorität hat — und das bin ich.

Ich befinde mich mitten in einer inneren und äußeren Transformation.
Beide gleichzeitig.
Beide fordernd.
Beide wichtig.

Und trotzdem gehe ich weiter.
Nicht dagegen — sondern mit offenem Herzen.

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